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Bisher gab es vor allem vernünftige Gründe, sich für einen Toyota Avensis zu entscheiden, insbesondere die hohe Zuverlässigkeit und das angemessene Preis-Leistungs-Verhältnis sprachen für den Importschlager aus Japan. Dass sich nun auch emotionale Gründe hinzugesellen könnten, ist ein Novum. Denn der größte Autobauer der Welt präsentiert seine Mittelklasse sportlich wie nie. Vorbei sind die Zeiten, in denen Unauffälligkeit das höchste Gebot der Designer zu sein schien. Kaum geändert hat sich der Wagen allerdings in seinen Abmessungen. Der Radstand bleibt gleich dem des Vorgängers, lediglich in der Länge wuchs das Fahrzeug um wenige Zentimeter. Nachgelegt wurde offensichtlich auch bei der Verarbeitungsqualität, die Spaltmaße erreichen fast das gleichmäßige Niveau deutscher Hersteller. Was nicht wundert, denn bei Toyota hat man in diesem Punkt ein Vorbild: Audi, also quasi den Erfinder der Spaltmaß-Ästhetik.
Dieser Eindruck setzt sich auch im Innenraum fort. Zwar sind deutsche Hersteller wie Audi,
BMW oder Mercedes noch eine Idee penibler, was Materialauswahl und Verarbeitung angeht, doch
spielt Toyota hier auf sehr hohem Niveau. Vorbildlich ist das Platzangebot, zumindest in der
ersten Reihe. Dort genießt man dank der nach außen gewanderten A- und C-Säulen luftige
Platzverhältnisse, während im Fond besonders großgewachsene Menschen auf Tuchfühlung mit dem
Dachhimmel gehen. Ebenfalls gewachsen ist das Ladevolumen des Kofferraums, der in der Limousine
nun 509 Liter und im Kombi 543 Liter fasst. Dass sich der Kofferraum des Kombi mit einem
Ladeschienen-System á la Audi ausstatten lässt, ist wiederum ein Indiz für die Vorbildfunktion
deutscher Hersteller. Komplett überarbeitet wurden die Sitz, die nun auch mit einer etwas höheren
Sitzposition aufwarten und von denen aus man gerne auf das gediegene Cockpit, die dezent
hinterleuchteten Optitron-Instrumente oder den direkt neben der elektrischen Parkbremsenbetätigung
platzierten Startknopf blickt.
Ebenfalls vorbildlich gibt sich der Avensis auch bezüglich der Sicherheitsausstattung. Diese
umfasst serienmäßig sieben Airbags, ein ESP und sogar eine aktive Lenkunterstützung. Ab dem
2.2 D mit 150 PS sind sogar ein Abstandsradar, ein Spurhalteassistent und ein Pre-Crash System
serienmäßig mit an Bord.
Bei den Motoren stellt sich ein Gleichgewicht zwischen Benziner und Diesel ein: es stehen von jeder Antriebsart genau drei Motoren zur Verfügung, abgedeckt wird ein Leistungsspektrum von 132 bis 177 PS. Die Benziner sollen dank Direkteinspritzung und variabler Ventilstellung, genannt Valvematik, sehr sparsam laufen und die Diesel erfüllen allesamt bereits die Euro-5-Abgasnorm. Zur Auswahl steht für zwei der Benziner ein stufenloses CVT-Getriebe, der 2.2 D, also der Diesel mit 150 PS, wird grundsätzlich mit einer von Aisin entwickelten Sechsgangautomatik ausgeliefert. Der von uns gefahrene Top-Diesel, der 177 PS aus knapp 2,2 Litern Hubraum schöpft, gefiel auf Anhieb. Er läuft relativ leise, auch bei höheren Drehzahlen, bietet in jeder Lebenslage ausreichend Durchzugskraft und verbrauchte auch bei zügiger Fahrt kaum mehr als acht Liter Diesel auf 100 km. Höchst irritierend ist hingegen, dass eine Hybridversion des Avensis nicht geplant ist und man nicht einmal an den Einbau einer Start-Stopp-Automatik denkt – hier hätten wir vom Hybrid-Pionier Toyota deutlich mehr erwartet.
Ebenfalls gelungen zeigt sich das Fahrwerk. Es gewann gegenüber dem Vorgänger deutlich an Präzision, speziell die Lenkung. Sie arbeitet leichtgängig, ohne jedoch unverbindlich zu wirken und vermittelt stets guten Fahrbahnkontakt. Die Federung geriet straff, aber nicht unkomfortabel, die Schaltung funktioniert leichtgängig und präzise, kurz: sportlicher ließ sich ein Toyota bisher nicht über die Teststrecke bewegen.
Das Ganze bekommt der deutsche Käufer zu Preisen ab 22.700 Euro, der Kombi wird mindestens 1.000 Euro mehr kosten. Ein Schnäppchen ist der neue Avensis damit nicht, angesichts der guten Qualität, der umfangreichen Sicherheitsausstattung und nun auch des frischen Designs ist er aber allemal sein Geld wert.