Neuvorstellungen Juli 2008

Fiat 500 Abarth

Einen Meilenstein in der Geschichte des italienischen Tuners Abarth stellt gerade der Fiat Cinquecento dar. Der Motorradafahrer und Autotüffler Karlo Abarth sah gerade in diesem Modell großes sportliche Potenzial und wandelte ihn vor mehr als 50 Jahren in ein richtiges sportliche Wunder. Der Schlüssel zum damaligen Erfolg des Gründers der Marke Abarth war, dass er sich nur von seiner Leidenschaft führen ließ. Mit dem aufgemotzten 500 wollte er nicht Geld verdienen, sondern vor allem Bergrennen gewinnen. Und das gelang ihm, mehrmals. "Klein, aber gemein", war Karlos Motto, das ihm dazu verhalf, die kleinsten Bestien aus der Fiat-Flotte in kraftvolle Monstren zu verwandeln. Nach dem Tod des Gründers kamen aber dunkle Zeiten. Für einige Jahrzehnte führte der Hersteller eine Scheinexistenz und Ende der 90er gab schließlich den Kampf auf. Das war für Fiat ein Grund genug, in die Tasche zu greifen und den kämpfenden Tuner unter seine Schirmherrschaft zu nehmen. 2007 fand die offizielle Auferstehung der Tuning-Legende. Der Grande Punto Abarth erschien im Herbst 2007 und demonstrierte, wo die Grenze der Tuning-Pahantasien im italienischen Sprachraum liegen – nämlich bei 132 kW/ 180 PS. Das ist zwar nicht schlecht, spektakulär ist es aber auch nicht. Der Vorteil ist allerdings, dass die Tuning-Maßnahmen von Fiat selbst gesegnet sind. Damit ist die Qualität (und Legalität) der Umbauten gesichert. Mitte Juli 2008 bringt Abarth auch den aufgemotzten Cinquecento auf den Markt. Die Deutschland-Premiere der kleinen Bestie ist für den 19. Juli in München geplant. Das gibt uns einen weiteren Grund, den Cinquecento Abarth detaillierter vorzustellen.

Fiat Abarth Fiat Abarth

Das Modell startet allerdings mit Übergepäck von Erwartungen und Ambitionen. Generell tendiert Fiat dazu, seine Modelle als Revolutionen in der Automobilgeschichte vorzustellen, was sich sehr oft als nur 'warme Luft' entpuppt. Etwas Revolutionäres soll es auch am Fiat 500 Abarth geben. Luca de Meeo, Chef der Firma Abarth, bestätigt die großen Hoffnungen, die man in Italien mit dem neuen Modell verbindet: "Dieser Fiat ist der Joker, der die Marke wieder in Schwung bringt." Was hat aber der Abarth 500 wirklich zu bieten?

Fiat Abarth Fiat Abarth

Vor allem erfährt die Optik des Modells einen gewaltigen, beeindruckenden, herzstoppenden Upgrade. Adjektive wie "niedlich, süß, weiblich, zierlich" passen irgendwie nicht mehr dazu. Zwar behält er seine bisherigen Dimensionen und somit auch den sicheren Platz im Segment der Kleinwagen, doch jetzt ist er mit einigen Attributen versehrt, die ihn als ein durchaus männliches Automobil präsentieren. Die doppelflutige Auspuffanlage, der Dachspoiler und der nach vorn ausgestellte Kühlergrill, auf dem das Markenzeichen – ein Skorpion – prangt, geben eindeutige Signale, dass Frauencharme nur in dem Serienmodell zu finden ist. Diese Macho-Stillinie wird im Innenraum konsequent weitergeführt. Ausgestattet ist der ansonsten putzige Stadtflitzer mit high-tech Sportsitzen, die einen hohen Komfort und Rallye-Feeling versprechen. Dazu findet man im Cockpit ein unten abgeflachtes, höhenverstellbares Sport-Lenkrad, mit dem Fahrer gleich zu einem Piloten wird.

Fiat Abarth

Toll wäre es, wenn diese Accessoires nicht nur als Dekoration gedacht sind, sondern auch von der Motorleistung zu absoluten Notwendigkeiten gemacht werden. Und der Unterschied zum Serienmodell lässt sich auf jeden Fall sehen, fahren und hören. Unter der Haube der Abarth-Version brummt ein Triebwerk, der wirklich Zähne zeigen kann. Die Fahrleistung beträgt nun 99 kW/ 135 PS, die den kleinen Italiener auf 205 km/h Spitzengeschwindigkeit katapultieren. Die Dimensionen des Triebwerks sind an der Größe der Karosserie und des Fahrwerks optimal angepasst und gehen fast an die Grenzen des Automobils – der Abarth-Motor hat 4 Zylinder und einen Hubraum von 1,6 Litern. Das hat sich der Tuning-Spezialist anscheinend aber sehr gut überlegt, denn Traktion und Fahrverhalten sind perfekt abgestimmt und das ist keine leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, wie klein der Radstand ist.

Alles in allem ist der Abarth Cinquecento ein gelungener Versuch. Für den Preis von 18.000 Euro ersteht man einen leistungsstarken Flitzer, der sich eindeutig von seinem braven Serienbruder distanzieren will.

Mitsubishi Lancer Revolution X

Dass der Mitsubishi Lancer Revolution eine durchaus erfolgreiche Story zu bieten hat, steht außer Frage. Das vor kurzem vorgestellte neue Modell der Sportlimousine ist gerade mal die zehnte Generation des japanischen Meisterwerks, wobei sich die neunte Auflage immer noch weltweit exzellent verkauft. Doch die Nummer zehn kommt mit schweren Aufgaben. Zum einen muss sie die europäische Kundschaft überzeugen – gerade diese geographischen Areale scheinen immer noch nicht gänzlich von der japanischen Sport-Schönheit begeistert zu sein. Zum anderen, oder vielleicht auch gerade wegen diesem ersten Punkt, möchte sich Mitsubishi in direktem Kampf mit den großen europäischen (doch dann vor allem deutschen) Herstellern versuchen. Deshalb erscheint auch der neue Revolution in zwei Varianten – einer europäischen mit stärkerem Triebwerk und üppigerer Ausstattung und einer für den Rest der Welt.

Mitsubishi Evolution X Mitsubishi Evolution X

"Der Lancer Evolution ist eben keine Weiterentwicklung – sondern eine Revolution. Ein völlig neues Auto", sagt Produktmanager Axel Blazejak. Das Wort 'Revolution' bezieht sich allerdings vor allem auf die firmeneigene Philosophie – im globalen Maßstab bietet das Modell kaum etwas von historischer Bedeutung. Die Mitsubishi-Linie wird durch das aktuelle Modell komplett umstrukturiert. Als Vorbild dient augenscheinlich nicht mehr der etwas dubiose Subaru Impreza WRX, sondern bewährte Markenzeichen des sportlichen Luxus wie etwa der Audi S4 oder der BMW M3. Das Ergebnis lässt sich sehen – das Außendesign ist geschmackvoll gestaltet. Regierendes Prinzip ist hier die gezähmte Sportlichkeit, was angesichts der Zielkundschaft – Geschäftsmänner, die gerne bereit sind, rund 50.000 Euro für ein Automobil auszugeben – ganz gut kalkuliert zu sein scheint. Inzwischen ist das Bügelbrett zu einem Markenzeichen des Revolution geworden. Neu ist aber der fette Heckspoiler, der nun serienmäßig jedes Automobil schmückt. Etwas Tuning muss ja auch sein. Der Spoiler verbessert nicht nur die Fahreigenschaften, sondern trägt auch zur etwas wilderen Optik des Japaners bei.

Mitsubishi Evolution X Mitsubishi Evolution X

Für fast alle asiatischen Automobilhersteller stellt die äußerlich Ästhetik jedoch die härteste Herausforderung dar – denn kaum eine Limousine des asiatischen Kontinents konnte sich bis jetzt gegen die europäischen Musterbilder durchsetzen. Mit dem neuen Mitsubishi ist allerdings zumindest ein Kompromiss erreicht, den man mit den technischen Vorzügen umso freier genießen kann. Und diese bietet im neuen Revolution, wie gewohnt, ein Feuerwerk von high-tech Leckerbissen. Sogar die Basisausstattung wartet mit einem reichhaltigen Programm auf. Empfehlenswert ist allerdings die höhere Stufe MR, bei der die zwei Buchstaben für 'Motor Sport' stehen. Doch nicht nur sportliche Highlights hat diese Linie zu bieten – zu finden sind unter anderem hier Rockford-Fosgate Soundsystem, Navi, Keyless-Go und Leder-Alcantara-Sitze. Außerdem kommt die MR-Variante mit Bilstein-Dämpfern, Eibach-Federn und vorne mit zweiteiligen Brembo-Bremsscheiben daher.

Mitsubishi Evolution X Mitsubishi Evolution X

Nun kommen wir aber zur größten Attraktion des neuen Revolution – dem Motor. Dieser stellt eine völlig neue Entwicklung der hauseigenen Ingenieure dar und lässt technisch eine beinahe perfekte Maschine vermuten. Das 2,0-Liter-Benzin-Triebwerk leistet 217 kW/ 295 PS bei 6500 U/ min. Das maximale Drehmoment von 365 NM steht bei 3500 U/min zur Verfügung. Noch beeindruckender lesen sich diese Zahlen, wenn man das kleine Gesamtgewicht der Sportlimousine in Betracht zieht – gerade mal 1600 kg wiegt der ansonsten sehr geräumige und komfortable Japaner. Die Motorarbeit wird von einer ganzen Reihe modernen Schnick-Schnacks unterstützt. Serienmäßig gibt es ein neues Allradsystem namens S-AWC (Super All Wheel Control) mit dem so genannten Torque Vectoring, das eine aktive Verteilung des Drehmoments zwischen den Hinterrädern im Verhältnis von bis zu 70:30 ermöglicht. Des Weiteren freut sich der Fahrer auf ein aktives Mitteldifferenzial "ACD", die aktive Giermomentregelung "AYC", das Sport-ABS und die aktive Stabilitätskontrolle "ASC". Mit diesem Sondergepäck kann sich der Fahrer fast alles leisten – vor allem in Kurven bleibt der Wagen immer sehr stabil und zeigt eine hervorragende Traktion.

Der Verbrauch von 10,5 Liter auf 100 Km macht einen zwiespältigen Eindruck. Dieser ist allerdings dann nicht mehr nur zwiespältig, sondern negativ auszulegen, wenn man über die Fahrpraxis recht schnell feststellt, dass 13,5 Liter auf 100 km eher die Trinkgewohnheit des durstigen Sportmobils charakterisieren. Das Gesamturteil soll natürlich auch diesen Punkt berücksichtigen. Zusammen mit dem Basispreis von 45.900 Euro wird der Revolution zu einem teuren Vergnügen. In Zeiten der hysterischen Spritkrise ist Luxus nicht überall angebracht.