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Rolls Royce
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Geschichte

Man fährt nie seinen eigenen Rolls Royce, im eigenen Rolls Royce lässt man sich immer fahren. Seit mehr als 100 Jahren schafft es das britische Unternehmen, die Automobilfans, die Adeligen, die Superstars und die Super-Reichen in seinen Bann zu ziehen.

Die Namen der zwei Gründer verstecken sich hinter dem legendären "Rolls-Royce." Im Jahr 1904 treffen Charles Stewart Rolls und Frederick Royce aufeinander und stellen fest, dass sie einen gemeinsamen Wunsch haben – Automobile zu bauen.

Die Freundschaft der beiden Männer scheint beim ersten Anblick eher ungewöhnlich zu sein. Charles ist von aristokratischer Herkunft. Er ist der Sohn von Lord und Lady Llangattockund und hat an der Universität in Cambridge Maschinenbau und angewandte Naturwissenschaften studiert. Obwohl man damals vom Landadel niemand Interesse an der Ausübung irgendeiner Tätigkeit erwartet, gründet er seine eigene Firma und zu der Zeit, als er Frederick begegnet, ist er ein Geschäftsmann mit beachtlichem Erfolg.

Frederick kommt aus einer ganz anderen Welt. Als fünftes Kind eines verarmten Müllers lernt er schnell, wie man ums Überleben kämpft. Bereits mit zehn Jahren verdient er sein eigenes Geld. Mit der Unterstützung einer Tante tritt Royce als Lehrling bei einem Eisenbahnhersteller seine erste richtige Arbeitsstelle an. Der ambitionierte Mann lernt schnell die Grundlagen der Technik und zu Beginn des Jahrhunderts gründet er sein eigenes Unternehmen zur Produktion von Automobilen. Trotz der ganz unterschiedlichen Abstammung haben Rolls und Royce zumindest zwei Dinge gemeinsam – den Hang zur Perfektion und die Faszination für Automobile. Das erfolgreiche erste Zusammentreffen der beiden Männer geht für immer in die Automobilgeschichte ein.

Der erste große Erfolg des neu gegründeten Unternehmens ist das im Jahr 1906 vorgestellte Modell Silver Ghost. Dieses wird von einem ultra-modernen 6-Zylinder-Motor angetrieben, der für die damalige Zeit sensationelle 50 PS leistet. Der Silver Ghost wird zu einer absoluten Sensation auf dem britischen Markt. Er besticht durch die handwerkliche Sorgfalt der Fertigung, die seitdem zu einem Markenzeichen des Herstellers wird. Am Design fällt sofort der von der Klassik inspirierte Kühler auf, der in seinen Grundzügen bis heute so gebaut wird.

Die berühmte Frauengestalt Spirit of Ecstasy erscheint 1911 zum ersten Mal auf dem Kühlergrill von Rolls-Royce. Geschaffen wurde die Figur von dem Künstler Charles Sykes. Dieses Meisterwerk und die glorreichen Jahre seiner Firma darf der Gründer Charles Rolls nicht miterleben – am 12. Juli 1919 verunglückt er tödlich mit seiner Wirght Flugmaschine in der Nähe von Bournemouth. Auch Fredricks Gesundheit ist instabil und er sieht sich dazu gezwungen, die Führung des Unternehmens seinem Freund C. G. Johnson zu überlassen.

Die Perfektion der Rolls-Royce-Automobile wird schnell berühmt und die Marke erzielt auch während der Kriegsjahre große Erfolge. Vor allem die Modelle 20/25 HP und der Phantom etablieren den Hersteller als einen der führenden Namen auf dem Automobilmarkt.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg werden dann wieder neue Modelle vorgestellt. Der Silver Down ist das erste komplett von Rolls-Royce gebaute Fahrzeug. Dieses lässt in der Ausführung keinen Luxus vermissen: Sitze aus feinsten Wolle und Leder, Armaturenbrett und Fenstereinfassungen aus reich gemasertem Walnussholz und exotischem Eukalyptos.

1965 wird der erste Silver Shadow mit selbsttragender Karosserie vorgestellt. Diesem folgt der Camargue, das erste für den selbstfahrenden Besitzer konzipierte zweitürige Coupé. Obwohl der Karosserieentwurf vom renommierten Designer-Studio Pininfarina stammt, wird das eigenwillige Modell vom Markt nicht sehr gut aufgenommen.

In den 70er Jahren gerät die Firma in finanzielle Schwierigkeiten, woran allerdings die Defizite im Bereich der in den 30er Jahren aufgenommenen Flugzeugmotorenproduktion. Die Firma kommt unter Zwangsverwaltung und der immer noch profitable Automobilbereich wird ausgegliedert.

1979 feiert das Unternehmen das 75. Jahr seines Bestehens. Zum Jubiläum baut Rolls-Royce 100 exklusive Fahrzeuge "Limited Edition" mit rotem RR-Emblem.

Im Oktober 1980 wird die Marke vom Mischkonzern Vickers übernommen. Durch diesen Schritt kann aber die sich kontinuierlich vertiefende Krise nicht verhindert werden. Vor allem die starke Konkurrenz und die neuen Technologien, mit denen Rolls-Royce zu der Zeit nicht mithalten kann, führen zum sinkenden Absatz.

Erst in den späten 90ern wird der Umsatz durch die Einführung einer völlig neuen Modellpalette wieder gesteigert. Im März 1998 wird auf dem Genfer Automobilsalon der neue Silver Seraph vorgestellt, der von einem 12-Zylinder-Motor von BMW angetrieben wird. Der Entschluss, einen fremden Motor zu nehmen, wird sich als eine Schicksalsentscheidung für den Hersteller ergeben. Zum Ende des Jahrhunderts gerät Rolls-Royce in den Fang der Großkonzerne BMW und Volkswagen. Nach langen Verhandlungen einigen sich die deutschen Automobilproduzenten schließlich darauf, dass VW die Tochtermarke Bentley übernimmt und dass Rolls Royce BMW gehört.

Unter der neuen Schirmherrschaft erscheint 2003 der erste von BMW gebaute Rolls-Royce – der neue Phantom - von dem gleich zur Premiere mehr als 300 Automobile verkauft werden.

Rolls Royce heute

Die High Society ist weniger spendabel als man sich das bei Rolls Royce vorstellte. Jedenfalls schafft es die BMW-Tochter nicht, die anvisierten 1000 Exemplare des Phantom pro Jahr zu verkaufen.

Allein der Preis von 462.315€ sagt viel über die Qualität der Verarbeitung und der Technik, über den Komfort und sogar über den Fahrer selbst aus. Der Phantom ist zweifelsohne der beste Rolls-Royce, den die Superreichen in den letzten Jahrzehnten kaufen konnten.

Gefahren wird der Phantom zwar wie jedes andere Auto und doch funktioniert dieser Wagen ganz anders. Die Schaltvorgänge des Sechsgang-Automatikgetriebes sind im Grunde nicht wahrnehmbar. Der 6,75-Liter-Zwölfzylindermotor ist so kraftvoll (460 PS und 338 kW), dass selbst bei Tempo 150 die "Power Reserve"-Anzeige im Cockpit noch 90 Prozent Kraftreserven meldet. Auch die Lenkung vermittelt ein weiches Gefühl, welches man von keinem anderen Automobil kennt. Der Wagen ist die Ruhe selbst, sogar wenn man sich der Spitzengeschwindigkeit von 240 km/h annähert. Verglichen mit herkömmlichen Oberklasselimousinen fährt man hier wie in einer anderen Welt – das zeigt nicht nur der weich wiegende Federungskomfort, sondern auch der clubähnlich ausgestaltete Innenraum, die hohe Sitzposition und der Blick über die enorm lange Motorhaube.

Die Basisversion ist ab 375.492 € zu haben. Die meisten Kunden entscheiden sich aber für die Luxusausstattung, die ab 435.0000 Euro erhältlich ist. Diese verwöhnt mit schmiegsamen, cognacbraunen Leder, Flokati-Teppich, verchromtem Alurad, einem kleinen Picknicktischchen an den Rücklehnen der Vordersitze und sonstigem Schnickschnack, der anscheinend zum alltäglichen Bedarf der VIPs gehört.

Rolls-Royce macht bekanntlich keine Kompromisse bei der Verarbeitung der Materialien. Für die verschiedenen Elemente des Innenraums verwendet man Buche, Eiche, Mahagoni und Ulme – Holzmaterial, das bis zu 250 Jahre alt ist. Das Leder, wofür pro Auto insgesamt 15 Rinderhäute verarbeitet wurden, lässt sich spüren und sehen.

Der 1,99 Meter breite Koloss macht sich auf jeder Straße bemerkbar und vermittelt ein Gefühl von Majestät und Autorität. Sicher weniger praktisch ist der Engländer für tägliche Einkäufe und auf schmalen Stadtstraßen – die Limousine hat einfach große Probleme mit ihrem Wendekreis von 13,80 Metern.

Tabellarische Übersicht

1904
Gründung von Rolls-Royce Limited in Manchester
1906
Premiere des Silver Ghost auf der Automobilmesse London
1911
Einführung der berühmten Kühlerfigur "Spirit of Ecstasy"
1914
Beginn der Flugmotoren-Produktion
1931
Übernahme des Konkurrenten Bentley
1946
Verlegung der Automobilproduktion nach Crewe
1959
Umzug in das Werk Muliner Park Ward, London
1965
Präsentation des ersten Silver Shadow mit selbsttragender Karosserie
1980
Rolls Royce wird an den Vickers-Konzern verkauft
1998
Verkauf von Rolls Royce an Volkswagen; die Namensrechte gehen jedoch an BMW
2003
Mit dem Ende des Gentlemens-Agreement mit VW produziert BMW Rolls-Royce-Fahrzeuge in eigener Regie
Präsentation des Rolls Royce Phantom
2007
Premiere des Phantom Drophead Coupé