Kfz Daten
Bentley Motors Ltd. wurde im August 1919 von Walter Owen Bentley gegründet. Der aus einer wohlhabenden Londoner Familie stammende Bentley hatte zuvor bereits umfangreiche Erfahrungen mit Maschinen und Motoren aller Art gesammelt und war zudem neben seinem Bruder Mitbesitzer der Firma Bentley & Bentley, einem Handelsunternehmen für DFP-Automobile.
Als leidenschaftlicher Rennfahrer hatte Bentley schon immer den Traum verfolgt, den ersten echten Sportwagen des britischen Empires zu bauen. Mit der Gründung seiner neuen Firma 1919 war es nun soweit. Noch im selben Jahr stellte er zusammen mit Harry Varley und F. T. Burgess den Bentley 3L fertig und präsentierte diesen auf der Londoner Automobilausstellung. Der Wagen erreichte die damals magische Geschwindigkeit von 100 Meilen pro Stunde. 1926 folgte ein Sechszylinder mit der Bezeichnung Bentley 6 1/2l, dessen Sportversion mit höherer Verdichtung und zwei SU-Vergasern unter dem Namen Speed Six berühmt wurde.
Das Erreichen von immer höheren Geschwindigkeiten war schon immer Bentleys Traum, aber auch sein Verhängnis. Einerseits beachtete er nicht, dass die Konstruktion von immer schnelleren und größeren Prestige-Autos mit extrem hohen Kosten verbunden war. Und andererseits orientierte er sich mit seinen Plänen nicht an der aktuellen Wirtschaftslage. So passierte es Bentley, dass er mit dem Bentley 8l seinen bis dahin wohl elegantesten Wagen vorstellte – aber genau zum falschen Zeitpunkt. Der Wagen erschien mitten in der Weltwirtschaftskrise und Käufer von Luxuskarossen waren rar gesät. Die Investoren der Firma sprangen ab und so geschah es, dass Bentley 1931 schließlich Konkurs anmelden musste.
Neuer Besitzer der Marke wurde zudem noch Bentleys schärfster britischer Konkurrent:
Rolls Royce. Die Luxusmarke verhinderte erfolgreich, dass Bentley vom Flugmotorenhersteller
Napier & Son übernommen wurde. Bentley wäre sonst ein ernstzunehmender Wettbewerber
geblieben. Walter Owen Bentley brachte es nicht über das Herz, unter der Führung
des ehemaligen Konkurrenten weiterzuarbeiten, und verließ die Firma.
Die Fertigung von Bentley wurde nach Derby verlagert und dort entstanden auch gleich zwei neue Modelle: der Bentley 3 1/2l und der Bentley 4 1/4l. Beide Wagen basierten auf der Technik Rolls Royce. Kurz vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs begann die Entwicklung des Mark V. Dieser erlangte jedoch nie die Serienreife und davon wurden nur 19 Prototypen hergestellt. Nach Kriegsende zogen Rolls Royce und Bentley nach Crewe um. Dort entstanden die in vielen Bereichen äußerst baugleichen Modelle Rolls Royce Silver Wraith und Bentley Mark VI. 1952 erschien der nur geringfügig weiterentwickelte Nachfolger R-Type. Mit diesem Modell begann auch die Tradition bei Bentley die sportlichen Ableger der Serienversion als "Continental" zu veröffentlichen. Der Name beruht auf den höheren Geschwindigkeiten, die - aus britischer Sicht – auf dem Kontinent gefahren werden durften. Der Bentley R-Type Continental war damals der schnellste viersitzige Sportwagen der Welt und ist heute ein begehrtes Sammlerstück; er wurde nur 208 mal gebaut.
In der Folgezeit wurden sich die Bentleys und die Wagen von Rolls Royce immer ähnlicher, so dass man sie fast nur noch am Kühler und dem Markenemblem unterscheiden konnte. Die 1965 vorgestellten Modelle Silver Shadow und Bentey-T Series waren zum Beispiel nahezu baugleich. Doch beide konnten auch mit technischen Neuerungen wie einer selbsttragenden Karosserie, Scheibenbremsen, einer unabhängigen Radaufhängung und einer Niveauregulierung aufwarten. Trotzdem litten die Bentley-Autos unter der Entwicklung, nur Schwestermodelle von Rolls Royce zu sein. Im Todesjahr von Walter Owen Bentley 1971 wurden gerade noch 7 Prozent der Nobelwagen als Bentley verkauft.
Erst in den 80er Jahren ging es wieder langsam bergauf. Man besann sich wieder auf den sportlichen Ur-Charakter der Marke und mit dem Bentley Mulsanne Turbo (1982) und dem Bentley Turbo R (1985) gelang es, wieder das Interesse des jungen Publikums zu wecken. Der Absatz stieg langsam aber stetig an und 1990 übertraf Bentley erstmals wieder die Verkaufszahlen von Rolls Royce.
Im Jahr 1998 wurde der Doppelkonzern Rolls-Royce-Bentley von seinem Mutterkonzern Vickers nach einer heftigen Bieterschlacht zwischen BMW und VW an Volkswagen verkauft. Das Problem dabei war jedoch, dass die Namensrechte für Rolls Royce nicht beim Vickers-Konzern, sondern beim Flugtriebwerkshersteller Rolls-Royce plc. lagen und BMW zu diesem sehr gute Kontakte pflegte. BMW sicherte sich die Markenrechte und kündigte seine bisherige Motorenlieferung an Rolls-Royce Bentley. Volkswagen besaß somit das Werk in Crewe und den Namen Bentley – den von Rolls Royce jedoch nicht. In einem Gentlemen's Agreement einigte man sich darauf, dass VW im Stammwerk in Crewe bis Ende 2002 unter der Lizenz von BMW und mit Motoren von BMW weiter Rolls-Royce Modelle bauen durfte und BMW mit dem Markennamen eine völlig neue Fertigung in Goodwood aufbauen werde.
Diese Entscheidung entwickelte sich für Bentley äußerst positiv, denn die Marke war nun wieder unabhängig von Rolls Royce. Bereits 2003 gelang es Bentley wieder mit Unterstützung des VW-Partners Audi die 24-Stunden von Le Mans nach den Erfolgen in den 30er Jahren zum sechsten Mal zu gewinnen.
Die derzeitigen Hauptattraktionen bei Bentley sind die bereits unter Rolls Royce entwickelte Limousine Arnage, das Sport-Coupé Continental GT (mit dem dazugehörigen Cabrio GTC), die Limousine Continental Flying Spur und das große Cabrio Azure II.
Und zu guterletzt: Mit dem Flying Spur liefert Bentley mit einer Höchstgeschwindigkeit von über 300 km/h die schnellste in Serie gefertigte Limousine – genauso wie schon damals in den 50er Jahren.